Was Klangfang kann

Mit der partizipativen Smartphone-App Klangfang werden Klangcollagen aus Alltagsgeräuschen entwickelt. Klangfang fördert eine Zusammenarbeit zwischen den Nutzern, da die Kollaboration miteinander notwendig ist, um eine Collage fertig stellen zu können. Jeder Nutzer bereichert dieses Projekt mit seiner ganz persönlichen Klangwelt — unterschiedlichste reale und virtuelle Klangwelten verbinden sich so in einer Komposition. Ziel ist es, durch spielerische Kreativität ein Bewusstsein für die akustische Umgebung zu schaffen.

Konzept und Ziel der App

Mit Klangfang erzeugt der Benutzer Neues aus vorhandenen Alltagsgeräuschen. Durch ein internationales Netzwerk von „Klangfängern“ werden aus den einzelnen Geräuschen in unmittelbarer Zusammenarbeit Collagen erstellt. Klangfang ist für Personen entwickelt, die musikalische Experimente suchen und dabei nicht alleine, sondern zusammen mit Personen unterschiedlicher Herkunft arbeiten möchten. Auch Medienpädagogen sollen zusammen mit Schülern Workshops durchführen können. Klangfang möchte das positive Zuhören in den Vordergrund rücken, denn analog wie digital werden uns Informationen größtenteils visuell vermittelt. 

In Teams kann sich kreatives Denken erst wirklich zu seiner vollen Größe entfalten: Aufgaben können gemeinsam in der Gruppe bewältigt werden, die allein nicht zu bewältigen gewesen wären. Eine kreative Aufgabe kann von einer kollaborierenden, demokratischen Gemeinschaft in einzelne kleinere Module unterteilt werden. Dabei profitieren Team und Projekt von jedem Mitglied, das seine speziellen Fähigkeiten mit einbringt. Klangfang soll das Bewusstsein des Nutzers für sein auditives Umfeld schärfen und zu neuen, kreativen Umgangsformen damit ermutigen. Durch eine intensivere Beschäf-tigung mit Geräuschen werden kreative und konzeptionelle Fähigkeiten gestärkt, die Hör- und Zuhörkompetenz geschult und die auditive „Geschmacksbildung“ gefördert. Des Weiteren unterstützt die App gemeinschaftliche Zusammenarbeit.

Alleinstellungsmerkmale

Klangfang ist auf Neue Musik, Geräusche und Soundscapes ausgerichtet — nicht auf Melodien und Rhythmus. Die App fokussiert sich auf direkte Kollaboration innerhalb kleiner Gruppen und bietet eine Plattform, die konzeptionelle Projekte ermöglicht. Ziel ist es weitergehend, durch die Aufnahme von Geräuschen eine Brücke zwischen digitaler und realer Welt des Nutzers zu bilden.
Kollaboration ist in der App Klangfang Schritt für Schritt möglich. Das Komponieren selbst entsteht in Zusammenarbeit, nicht nacheinander. Eine Klangcollage kann nicht von einem einzelnen User abge-schlossen werden. Der Fokus liegt nicht auf dem Nutzer, sondern auf der Collage. Die einzelnen Geräuschfragmente werden nur an eine kleine Anzahl von Nutzern weitergeschickt, dadurch wird die Zusammenarbeit persönlicher und intimer. Geräusche werden nicht nur gesammelt: sie werden, mit der persönlichen Soundscape und der von Anderen interagierend, zu etwas Neuem, Einmaligem zusammengefügt. Das Erstellen gemeinsamer Klangcollagen dient gleichzeitig als zusätzliche Motivation, sich mit dem persönlichen auditiven Umfeld auseinanderzusetzen.

Gestaltung

Klangfang ist ein partizipatorisches Designprojekt. Die Designer der App arbeiten mit Nicht-Designern zusammen (Co-Design). Alle Funktionen der App werden zusammen mit der Klangfang-Community erarbeitet. Von der Ideenfindung bis zur gestalterischen Umsetzung wurde sie durch Umfragen, Gespräche, Usability Tests und Interviews mit einbezogen. Da ein Großteil der Zielgruppe Android-Nutzer sind, wurde die App für dieses Betriebssystem konzipiert. 

Für die Visualisierung der Geräusche entwickelten wir ein Konzept, dass sich gestalterisch von harmonischer Musik abgrenzt. Geräusche besitzen keine Grundfrequenz, vielmehr wechseln sie andauernd ihre Frequenz. Sie sind aperiodisch und infolgedessen extrem unstrukturiert und komplex. Unsere Ohren sind dieser Komplexität gewachsen und können Geräusche eindeutig differenzieren. Auch visuell sollte der User jedoch die Geräusche voneinander unterscheiden können. Ziel war es, die Komplexität eines Geräusches einerseits authentisch zu visualisieren, es aber andererseits als simples Bedienelement auf der kleinen Benutzeroberfläche des Smartphones darstellen zu können. Durch die Funktionalität des Schneidens war die zeitliche Komponente als Parameter für die Gestaltung der Geräusche gegeben. Sie ist entlang der x-Achse ablesbar. Um die Amplitude realistisch und differenzierbar darzustellen, wählten wir gerade vertikale Striche gleicher Strichstärke, die sich entlang der x-Achse manifestieren. Je lauter ein Geräusch ist, desto dunkler erscheint das Objekt.